← Wissen · Aktualisiert am 6. November 2026 · 5 Min. Lesezeit
Reinheit und Peptidgehalt werden oft verwechselt. Für die Berechnung von Stammlösungen ist der Unterschied wichtig.
Zwei verschiedene Größen
Die Reinheit beschreibt, wie groß der Anteil des Zielpeptids an den peptidischen Komponenten ist. Der Peptidgehalt beschreibt, wie groß der Anteil von Peptid an der gesamten Einwaage ist. Den Rest bilden vor allem Gegenionen und Restwasser.
Woher der Unterschied kommt
Peptide werden häufig als Salze isoliert, zum Beispiel als Trifluoracetat oder Acetat. Lyophilisate nehmen außerdem Feuchtigkeit auf. Ein Peptid kann also eine hohe HPLC-Reinheit und trotzdem einen deutlich niedrigeren Peptidgehalt haben.
Wie hoch der Peptidgehalt ist, hängt von der Sequenz ab. Peptide mit vielen basischen Resten wie Lysin und Arginin binden mehr Gegenionen. Werte zwischen etwa 60 und 90 % sind bei Peptidsalzen nicht ungewöhnlich.
Woraus die Einwaage besteht
Ein erfundenes Beispiel für 100 mg Lyophilisat mit 80 % Peptidgehalt und 97,5 % Reinheit:
| Bestandteil | Menge | Gehört zu |
|---|---|---|
| Zielpeptid | 78 mg | Peptidgehalt und Reinheit |
| Peptidische Nebenprodukte | 2 mg | Peptidgehalt, aber nicht zur Reinheit |
| Gegenion, etwa Trifluoracetat | 13 mg | Weder noch |
| Restwasser | 7 mg | Weder noch |
Die Reinheit von 97,5 % bezieht sich auf die 80 mg Peptid. Der Peptidgehalt von 80 % bezieht sich auf die gesamten 100 mg.
Wie viel Gegenion ein Peptid trägt
Jede positiv geladene Gruppe eines Peptids bindet ein Gegenion. Dazu zählen der N-Terminus und die Seitenketten von Lysin, Arginin und, je nach Bedingungen, Histidin. Ein Trifluoracetat-Ion wiegt etwa 114 g/mol, ein Acetat-Ion etwa 60 g/mol.
Ein Rechenbeispiel: Ein Peptid mit 1000 g/mol und vier positiv geladenen Gruppen trägt als Trifluoracetat vier Gegenionen, zusammen etwa 456 g/mol. Schon ohne Wasser liegt der Peptidgehalt dann bei höchstens 1000 ÷ 1456, also rund 69 %. Als Acetat wären es 1000 ÷ 1240, rund 81 %. Das erklärt, warum kurze, stark basische Peptide oft einen niedrigen Peptidgehalt haben.
Restwasser und Luftfeuchte
Lyophilisate enthalten nach der Gefriertrocknung meist einige Prozent Restwasser. Wird ein Vial kalt geöffnet oder lange offen gelassen, nimmt das Pulver weiteres Wasser aus der Luft auf. Die Einwaage wird dadurch schwerer, ohne dass mehr Peptid darin ist. Wiegen Sie deshalb zügig und bei Raumtemperatur. Hinweise zur Handhabung gibt der Artikel Peptide lagern.
Was das für Ihre Ansätze bedeutet
Liegt ein Wert für den Peptidgehalt vor, korrigieren Sie die Einwaage damit:
Peptidmasse = Einwaage × Peptidgehalt
Bei empfindlichen Zellversuchen kann auch das Gegenion selbst eine Rolle spielen. Prüfen Sie deshalb, welches Salz im CoA angegeben ist.
Beispielrechnung für eine Stammlösung
Angenommen, Sie brauchen 1 ml einer 1-mM-Stammlösung eines Peptids mit einer Molekülmasse von 1000 g/mol. Dafür sind 1 mg Peptid nötig.
Einwaage = Konzentration × Volumen × Molekülmasse ÷ Peptidgehalt
Bei einem Peptidgehalt von 80 % wiegen Sie also 1,25 mg Lyophilisat ein, nicht 1 mg. Ohne die Korrektur läge die tatsächliche Konzentration 20 % unter dem Sollwert.
Wenn kein Peptidgehalt angegeben ist
Nicht jedes Zertifikat nennt den Peptidgehalt. Dann haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie können ihn aus Gegenion und Zahl der geladenen Gruppen grob abschätzen, wie oben gezeigt. Oder Sie bestimmen die Konzentration nach dem Lösen photometrisch. Enthält das Peptid Tryptophan oder Tyrosin, lässt sich der Extinktionskoeffizient bei 280 nm aus der Sequenz berechnen: etwa 5500 M⁻¹cm⁻¹ je Tryptophan und 1490 M⁻¹cm⁻¹ je Tyrosin. Mit der gemessenen Absorption ergibt sich die tatsächliche Konzentration.
Kleine Mengen genau einwiegen
Mengen unter einem Milligramm lassen sich auch mit einer Analysenwaage nur ungenau einwiegen, zumal Lyophilisate elektrostatisch aufgeladen sein können. Oft ist es genauer, den gesamten Inhalt eines Vials in einem bekannten Volumen zu lösen und daraus die Konzentration zu berechnen. Die Lösung kann dann in Aliquots aufgeteilt werden.
Typische Fehler bei der Berechnung
- Peptidgehalt vergessen: Die Einwaage wird wie reines Peptid behandelt. Die Lösung ist dann schwächer konzentriert als geplant, oft um 10 bis 40 %.
- Reinheit statt Peptidgehalt verwendet: Die HPLC-Reinheit wird zur Korrektur genutzt. Da sie meist deutlich höher liegt als der Peptidgehalt, bleibt der Fehler fast vollständig bestehen.
- Salzmasse doppelt berücksichtigt: Mit der Masse des Salzes gerechnet und zusätzlich der Peptidgehalt abgezogen. Die Konzentration fällt dann zu hoch aus.
- Etikettmenge als Nettomenge gelesen: Die Angabe „5 mg“ bezieht sich auf das Lyophilisat, nicht auf das reine Peptid.
Gegenionaustausch
Für Zellversuche wird ein Trifluoracetat-Salz manchmal in ein Acetat- oder Hydrochlorid-Salz umgewandelt. Das geschieht per Ionenaustausch oder durch wiederholtes Lösen und Gefriertrocknen aus verdünnter Säure. Dabei ändert sich die Masse des Gegenions und damit der Peptidgehalt. Nach einem Austausch gilt also der alte Wert nicht mehr. Fragen Sie beim Lieferanten nach, welches Salz vorliegt und ob ein Austausch durchgeführt wurde.
Mengen in Protokollen und Veröffentlichungen angeben
Damit andere einen Versuch nachvollziehen können, sollte die Angabe der Menge eindeutig sein. Nennen Sie, ob sich eine Konzentration auf die Einwaage oder auf die Nettopeptidmenge bezieht. Geben Sie das Salz, den Lieferanten und die Chargennummer an. Eine Angabe wie „1 mM, bezogen auf den Peptidgehalt laut CoA, Acetat-Salz“ lässt keine Fragen offen.
Reinheit, Peptidgehalt und Nettomenge im Überblick
| Begriff | Bezugsgröße | Typische Methode |
|---|---|---|
| Reinheit | Alle peptidischen Stoffe in der Probe | RP-HPLC, Flächenprozent |
| Peptidgehalt | Die gesamte Einwaage | Aminosäureanalyse, Stickstoffbestimmung |
| Nettopeptidmenge | Das Peptid im Vial | Einwaage × Peptidgehalt |
Welche dieser Angaben auf einem Zertifikat stehen sollten, zeigt der Artikel Analysenzertifikat für Peptide richtig lesen. Worauf Sie beim Einkauf achten können, steht unter Peptidgehalt und Chargenprüfung.
Häufige Fragen
Warum unterscheiden sich zwei Chargen im Peptidgehalt? Weil Gegenionaustausch, Trocknung und Restfeuchte von Lauf zu Lauf schwanken. Deshalb gilt der Wert immer nur für die geprüfte Charge.
Ist ein Acetat-Salz besser als ein Trifluoracetat? Für viele Zellversuche ja, weil Trifluoracetat in höheren Konzentrationen stören kann. Für analytische Zwecke spielt es meist keine Rolle.
Welche Molekülmasse nehme ich für die Berechnung? Die Masse des freien Peptids, kombiniert mit dem Peptidgehalt. Alternativ können Sie mit der Masse des Salzes rechnen, wenn bekannt ist, wie viele Gegenionen gebunden sind. Mischen Sie beide Ansätze nicht.
Nur für Forschungszwecke im Labor. Nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier.







