← Wissen · Aktualisiert am 6. November 2026 · 5 Min. Lesezeit
In der Peptidforschung begegnet man häufig mehreren Bezeichnungen für dieselbe Substanz. Das führt leicht zu Verwechslungen – besonders bei neueren Forschungspeptiden.
Typische Arten von Bezeichnungen
1. Freier Name / Trivialname
Beispiele: Retatrutide, Semaglutide, BPC-157. Diese Namen sind meist eingängig und werden in der Fachwelt und im Handel häufig verwendet.
2. Entwickler- oder Codename
Viele Substanzen tragen während der Entwicklung interne Codes, z. B. LY3437943 für Retatrutide. Solche Codes erscheinen vor allem in wissenschaftlichen Publikationen und Patenten.
3. Systematische / chemische Bezeichnung
Die IUPAC-Bezeichnung beschreibt die genaue chemische Struktur. Sie ist präzise, aber für den täglichen Gebrauch zu lang und unhandlich.
4. Abkürzungen und umgangssprachliche Kurzformen
Beispiele: „Reta“ für Retatrutide oder „GHK-Cu“ für das Kupferpeptid GHK-Cu. Diese Kurzformen sind im Laboralltag verbreitet, aber nicht immer eindeutig.
Warum mehrere Namen existieren
- Während der Forschungs- und Entwicklungsphase wird oft ein Codename vergeben.
- Später kann ein internationaler Freiname (INN) vergeben werden.
- Im Handel und in der Laborpraxis setzen sich häufig kürzere oder eingängigere Bezeichnungen durch.
- Verschiedene Hersteller oder Händler verwenden teilweise eigene Schreibweisen.
Die Namensebenen an Beispielen
| Substanz | Freiname | Codename | Weitere Bezeichnungen |
|---|---|---|---|
| Retatrutid | Retatrutide | LY3437943 | Reta, im Handel auch „Triple G“ |
| Tirzepatid | Tirzepatide | LY3298176 | – |
| Semaglutid | Semaglutide | NN9535 | – |
| GHK-Cu | – | – | Kupferpeptid, in der Kosmetik Copper Tripeptide-1 |
| CJC-1295 ohne DAC | – | – | Mod GRF 1-29, modifiziertes GRF(1-29) |
Die Tabelle zeigt: Nicht jede Substanz durchläuft alle Ebenen. Viele Forschungspeptide haben nie einen Freinamen erhalten und sind nur unter einer Abkürzung oder einem Handelsnamen bekannt.
Deutsche und englische Schreibweisen
Im Deutschen enden die Freinamen vieler Peptide auf -id, im Englischen auf -ide. Retatrutid und Retatrutide, Semaglutid und Semaglutide oder Liraglutid und Liraglutide meinen jeweils dieselbe Substanz. Ähnlich ist es bei Epithalon und Epitalon: zwei Umschriften desselben Tetrapeptids.
Für die Literatursuche lohnt es sich, beide Schreibweisen zu verwenden. Englischsprachige Datenbanken führen fast immer die englische Form. Deutsche Texte und Shops nutzen beide.
Wenn ähnliche Namen verschiedene Substanzen meinen
Der umgekehrte Fall ist gefährlicher: Zwei Namen klingen fast gleich, bezeichnen aber verschiedene Moleküle.
- CJC-1295 mit und ohne DAC: Die Variante mit DAC trägt am C-Terminus eine zusätzliche Gruppe, die an Albumin bindet. Die Variante ohne DAC heißt auch Mod GRF 1-29. Masse und Eigenschaften unterscheiden sich deutlich. Den Datenvergleich zeigt CJC-1295 vs. CJC-1295 DAC.
- TB-500 und Thymosin Beta-4: Im Handel werden die Namen oft gleichgesetzt. TB-500 bezeichnet aber meist ein kurzes synthetisches Peptid, das sich auf einen Abschnitt von Thymosin Beta-4 bezieht, nicht das vollständige Protein.
- Acetylierte Varianten: N-Acetyl-Semax oder N-Acetyl-Epithalon unterscheiden sich vom Ausgangspeptid durch eine Acetylgruppe am N-Terminus und damit um 42 g/mol.
- Informelle Namen: Bezeichnungen wie „GLP-3“ für Retatrutid sind Handelsnamen ohne offizielle Grundlage. Sie helfen bei der Suche, ersetzen aber keine eindeutige Kennung.
INCI-Namen in der Kosmetik
Für Peptide in kosmetischen Rezepturen gibt es eine weitere Namensebene, die INCI-Bezeichnung. Sie steht auf Inhaltsstofflisten. GHK-Cu heißt dort Copper Tripeptide-1. Matrixyl wird als Palmitoyl Pentapeptide-4 geführt, SNAP-8 als Acetyl Octapeptide-3. Wer kosmetische Peptide mit Forschungsliteratur abgleicht, muss diese Namen kennen.
CAS-Nummer und Sequenz als eindeutige Kennung
Die CAS-Nummer vergibt der Chemical Abstracts Service. Sie ist für eine Substanz eindeutig, unabhängig von Sprache und Schreibweise. Beachten Sie aber, dass verschiedene Salzformen eines Peptids eigene CAS-Nummern haben können, etwa die freie Base und das Acetat.
Die zuverlässigste Kennung ist die Sequenz einschließlich aller Modifikationen. Zusammen mit der berechneten Molekülmasse lässt sie sich direkt mit dem Massenspektrum auf dem Analysenzertifikat vergleichen. Wie das geht, erklärt der Artikel HPLC und Massenspektrometrie.
Namen in Datenbanken und Literatur suchen
Für eine gründliche Recherche reicht ein einzelner Suchbegriff selten aus. Bewährt hat sich folgendes Vorgehen:
- In PubChem nach dem gebräuchlichsten Namen suchen. Der Eintrag führt unter „Synonyms“ viele weitere Bezeichnungen und meist auch die CAS-Nummer auf.
- In der Fachliteratur zusätzlich nach dem Codenamen suchen. Frühe Studien erscheinen oft nur unter dem Code, bevor ein Freiname vergeben wurde.
- Deutsche und englische Schreibweise kombinieren, etwa „Retatrutid OR Retatrutide OR LY3437943“.
- Treffer anhand von Sequenz oder Molekülmasse prüfen, bevor sie in die Auswertung eingehen.
Namen im Laborbuch festhalten
Notieren Sie im Laborbuch nicht nur den Handelsnamen, sondern auch Sequenz, Salzform, Lieferant und Chargennummer. So bleibt ein Versuch auch dann nachvollziehbar, wenn sich Bezeichnungen im Handel ändern oder ein anderer Lieferant eine andere Schreibweise nutzt. Für Vergleiche zwischen Chargen ist diese Angabe unverzichtbar.
Praktischer Umgang
Wer Forschungspeptide bestellt oder Literatur auswertet, sollte immer prüfen:
- Welche Bezeichnung auf dem CoA steht
- Ob Sequenz oder CAS-Nummer angegeben sind
- Ob verschiedene Namen tatsächlich dieselbe Substanz meinen
Die Kombination aus Name + Sequenz + Chargenanalytik bietet die höchste Sicherheit.
Wie Alpenpeptid Namen angibt
Jede Produktseite nennt unter „Auch bekannt als“ die gebräuchlichen weiteren Namen und Schreibweisen. Wo eine Quelle eindeutig ist, stehen Sequenz, Summenformel, Molekülmasse und CAS-Nummer dabei, mit Verweis auf PubChem. Die Suche im Katalog findet ein Produkt auch unter seinen anderen Namen, etwa Retatrutid unter „Retatrutide“ oder „LY3437943“. Fachbegriffe erklärt das Peptid-Lexikon.
Häufige Fragen
Ist Retatrutide dasselbe wie Retatrutid? Ja. Retatrutide ist die englische, Retatrutid die deutsche Schreibweise derselben Substanz mit dem Codenamen LY3437943.
Woran erkenne ich, ob zwei Shops dasselbe Peptid verkaufen? Vergleichen Sie Sequenz, Molekülmasse und gegebenenfalls CAS-Nummer, nicht nur den Namen. Achten Sie auf Zusätze wie „DAC“, „Acetyl“ oder „Amidat“.
Warum steht auf dem Zertifikat ein anderer Name als im Shop? Labore verwenden oft den Freinamen oder die Sequenz, Shops eher den Handelsnamen. Entscheidend ist, dass Sequenz, Masse und Chargennummer übereinstimmen.
Gilt eine CAS-Nummer auch für das Salz im Vial? Nicht immer. Viele Einträge beziehen sich auf die freie Form des Peptids. Das gelieferte Lyophilisat liegt dagegen meist als Acetat- oder Trifluoracetat-Salz vor. Welche Form vorliegt, steht im Analysenzertifikat.
Fazit
Mehrere Bezeichnungen für dieselbe Substanz sind in der Peptidforschung normal. Wer die verschiedenen Namensebenen kennt und auf Sequenz sowie Analytik achtet, behält den Überblick.
Weiterführende Seiten: Retatrutide (Retatrutid) · Forschungspeptide im Katalog
Nur für Forschungszwecke im Labor. Nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier.







